BUND Kreisgruppe Hochsauerlandkreis
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Spurensuche Gartenschläfer

Der Gartenschläfer – das unbekannte „Wildtier des Jahres“ ist auch im Hochsauerlandkreis zu finden

Arnsberg/Hochsauerlandkreis. Für das Wildtier des Jahres 2023, den stark gefährdeten Gartenschläfer, starteten der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Justus-Liebig-Universität Gießen und die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung Ende 2018 eine bundesweite Schutzkampagne im Rahmen ihres Projekts „Spurensuche Gartenschläfer“. Denn der Gartenschläfer, der mit dem Siebenschläfer verwandt ist, ist innerhalb weniger Jahre in vielen Regionen sehr selten geworden oder bereits verschwunden. Besonders dramatisch ist die Situation in den Wäldern der Mittelgebirge, so auch im Hochsauerlandkreis. Vor 30 Jahren war hier der Gartenschläfer noch heimisch nun ist er in weiten Teilen ausgestorben und bisher nur noch im Bereich Finnentrop und Lennestadt zu finden. Warum seine Bestände derart drastisch zurückgehen, war bis zum Beginn des Projekts „Spurensuche Gartenschläfer“ noch völlig unklar.

Da es in diesem Jahr bereits nachgewiesene Funde von Gartenschläfern gab, so wurde zum Beispiel ein tragendes Weibchen in einer Wildtierauffangstation im Raum Eslohe abgegeben, konnte das Wildtier des Jahres 2023 auch im Hochsauerlandkreis nachgewiesen werden.

Aus diesem Grund möchten wir, die BUND Kreisgruppe Hochsauerlandkreis und die BUND Ortsgruppe Arnsberg, uns an der Aktion „Spurensuche Gartenschläfer“ beteiligen. Hierzu bieten wir an unserem Infostand Informationsmaterial und Gartenschläferkästen (als Bausatz) an.

Im Rahmen der „Offenen Gärten im Ruhrbogen 2023“ im Kloster- und Museumsgarten Oelinghausen, des Freundeskreises Kloster Oelinghausen e.V., am 16.07.2023, zwischen 12:00 und 17:00 Uhr, werden wir mit unserem Infostand vertreten sein.

Zum Verschwinden des Gartenschläfers untersuchte das Projektteam deshalb zunächst alle denkbaren Ursachen: von der Nahrung, möglichen Krankheiten und Fressfeinden, der Genetik bis zu Lebensräumen und Klimaveränderungen. Die Erkenntnisse helfen nun, passende Schutzaktivitäten zu erarbeiten und direkt umzusetzen. Das Ziel: das Verschwinden der Art in Deutschland verhindern. Die „Spurensuche Gartenschläfer“ wird durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums im Bundesprogramm Biologische Vielfalt gefördert.

Nachdem die Ursachen für das Aussterben der Gartenschläfer drei Jahre lang intensiv erforscht wurden, können nun die passenden Schutzaktionen starten. Dr. Christine Thiel-Bender, Projektkoordinatorin des BUND NRW berichtet: „Die Trockenheit, der Kahlschlag in Folge des Borkenkäferbefalls, die Forst-Monokulturen, der noch immer andauernde Pestizideinsatz – das alles hat auch dem Gartenschläfer in seinem natürlichen Lebensraum, den Wäldern, erheblich zugesetzt. Im Zuge des Umbaus der Wälder müssen wir auch solche kleineren Arten im Blick haben.“ Deshalb sollen hier unter anderem gezielt heimische Büsche und Bäume gepflanzt werden, die ihm Schutz und Nahrung bieten, aber auch geeignete Lebensräume wieder miteinander verbinden.

Der Schutz von Gartenschläfern fängt aber auch schon bei ganz banalen Dingen an. Gartenbesitzer*innen können frei nach dem Motto „Vielfalt statt Monotonie“ ihren Garten gestalten. Das hilft nicht nur dem Gartenschläfer, sondern auch den anderen Kleinsäugern sowie den heimischen Insekten. Eine Reihe von Tipps für die Gartengestaltung ist auf den Internetseiten des BUND zu finden. Zum Beispiel sollten Regentonnen stets abgedeckt sein, sodass keine Tiere hineinfallen und ertrinken können. Wo dies nicht möglich ist, helfen Stöcke beim Herausklettern. „Auch Gift hat in einem naturnahen Garten nichts zu suchen. Pflanzenschutzmittel und Nagergifte sind nicht nur für den Gartenschläfer eine große Gefahr, sondern auch für unsere Insektenwelt. Und wo die Insekten weniger werden, verschwinden auch andere Arten, die auf sie als Nahrung angewiesen sind“, so Thiel-Bender. Spezielle Nistkästen für den Gartenschläfer unterstützen die Art bei der Wohnungssuche und bieten sichere Schlafplätze. Eine einfache Bauanleitung stellt der BUND unter www.gartenschlaefer.de/nistkasten zur Verfügung. Sollte ein Gartenschläfer sich im Haus befinden, so ist zu beachten, dass diese Tiere durch das Gesetz geschützt sind. Wer ein Tier wegfangen möchte, muss zuerst die Untere Naturschutzbehörde des Hochsauerlandkreises kontaktieren. Beim wieder Freilassen der Tiere ist zu beachten, dass diese nicht weit weg gefahren werden. Denn Gartenschläfer sind gebietstreu. In fremden Gebieten fehlt es Ihnen eventuell an Nahrung, anderen Gartenschläfern und Unterschlupfmöglichkeiten. Wenn einmal aus dem Haus geschafft, lässt sich durch das Verschließen von Löchern, Absägen von Ästen an der Hauswand oder durch Gerüche den Wiedereinzug der Bilche verhindern. Bringen Sie nur verletzte oder verwaiste Tiere zu Wildtierstationen. Wenige Wildtierhilfen kennen sich mit Gartenschläfern aus und auch diese Auffangstationen sollten die Tiere wieder schnellstmöglich an den Fundort zurückbringen. Meldungen von Gartenschläfern bitte auf www.gartenschläfer.de eintragen.

Beitrag in der Westfalenpost vom 27.06.2023

Weitere Informationen:

www.gartenschlaefer.de sowie www.bund-nrw.de/gartenschlaefer

www.biologischevielfalt.bfn.de/bundesprogramm/projekte/projektbeschreibungen/erarbeitung-eines-bundesweiten-schutzkonzepts-fuer-den-gartenschlaefer.html

Kontakt: Dr. Christine Thiel-Bender, Referentin Artenschutz, BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen, Tel.: 0211 / 30 200 5-23, Mobil: 0151 / 74 5533 85, E-Mail: christine.thiel-bender(at)bund.net

 

 

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